Masking
Definition: Masking (auch: Camouflaging) beschreibt das bewusste oder unbewusste Unterdrücken neurodivergenter Merkmale sowie das Erlernen und Zeigen neurotypischer Verhaltensweisen. Ziel ist es, in sozialen Interaktionen ‚unauffällig‘ zu bleiben, Erwartungen zu erfüllen und eine potenzielle Stigmatisierung zu vermeiden.
Hintergrund und Entstehung: Die Notwendigkeit für Masking entsteht primär durch den ‚Neurotypismus‘. In einer Gesellschaft, in der neurotypische Denk- und Verhaltensweisen als Standard gesetzt sind, wird Neurodivergenz oft als „Abweichung vom Standard“ pathologisiert. Masking ist somit eine schon früh erlernte Überlebensstrategie in einem Umfeld, das wenig Raum für neurologische Varianz und andere Denk- / Handlungsschemata lässt.
Formen des Masking im Arbeitsalltag:
- Kompensation: Das bewusste Erlernen von sozialen Skripten (z. B. antrainierter Blickkontakt, obwohl dieser kognitiven Stress verursacht).
- Kontrolle: Das Unterdrücken von Selbstregulationstechniken wie ‚Stimming‘ (subtile Bewegungen zur Regulation des Nervensystems).
- Assimilation: Der Versuch, trotz sensorischer Überreizung in Büros mit mehreren Personen ’normal‘ zu funktionieren, was mittelfristig häufig zur Erschöpfung führt.
Die kognitiven Kosten: Wissenschaftlich wird Masking als eine enorme Belastung eingestuft. Masking ist keine soziale Kompetenz, sondern eine enorme kognitive Dauerleistung. Da die Aufmerksamkeit permanent auf die Selbstüberwachung gerichtet ist, steht weniger Energie für die eigentliche fachliche Arbeit zur Verfügung. Dies führt häufig zum sogenannten ‚Autistic Burnout‘ oder allgemeiner zu Erschöpfungsdepressionen, da die Betroffenen über ihre natürlichen Belastungsgrenzen hinaus agieren.
Relevanz für die Organisationskultur: Für Führungskräfte ist Masking ein Warnsignal. Wenn Mitarbeitende sich gezwungen fühlen, ihre Identität zu verbergen, hapert es in der Organisation an ‚Psychologischer Sicherheit‘. Eine inklusive Führung (Leadership Enablement) zielt darauf ab, die Notwendigkeit für Masking zu reduzieren. Das kann bspw. geschehen, indem die Umgebung an die neurologischen Bedürfnisse der Personen angepasst wird. Auch Awareness-Trainings für neurodiverse Teams verbessern die psychologische Sicherheit und in der Folge den Outcome.
Literaturverzeichnis:
- Pearson, A. & Rose, K. (2021). »A Conceptual Analysis of Autistic Masking: Understanding the Narrative of Stigma and Self-Preservation«. In: »Autism in Adulthood«.
- Singer, J. (1998). »Neurodiversity: A birth of an idea«. Dissertation.
