Emotionale Dysregulation

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Emotionale Dysregulation beschreibt die Schwierigkeit oder Unfähigkeit, emotionale Reaktionen situationsangemessen zu regulieren. Dabei handelt es sich nicht um einen Mangel an Willenskraft, sondern um eine spezifische Variante der Informationsverarbeitung im Gehirn.

Neurobiologische Mechanismen bei emotionaler Dysregulation: Die Amygdala (das emotionale Alarmzentrum) reagiert auf Reize (Kritik, Zeitdruck, sensorische Überreizung) überproportional stark, während der präfrontale Kortex (die exekutive Instanz für Planung und Impulskontrolle) die Impulse weniger effektiv dämpfen kann (vgl. Barkley, 2015).

Emotionale Dysregulation kann die gesamte Selbstwahrnehmung verändern, aber auch die Stimmung in Teams oder Gruppen beeinflussen.

Bei ADHS oder Autismus lässt sich das konkret in vier Lebensbereichen beobachten:

Soziale Folgen: Wenn Reaktionen öfter „zu viel“ oder „zu schnell“ kommen, belastet das auf Dauer die Beziehungsdynamik. Oft leiden darunter die Selbstwahrnehmung und der Selbstwert, weil man merkt, dass die eigene Reaktion nicht zur Situation passt, sie aber in dem Moment nicht stoppen konnte.

Gefühle im Zeitraffer: Bei ADHS-Profilen gleicht die Stimmung oft einer Achterbahn – die Wechsel sind schneller und die Ausschläge nach oben oder unten deutlich intensiver als bei anderen. Ein besonderer Trigger ist paradoxerweise die Inaktivität: Wenn nichts passiert oder die Stimulation fehlt, entsteht oft eine quälende Unruhe (Dysphorie), die die Stimmung massiv in den Keller ziehen kann.

Kurze Zündschnur: Reizbarkeit ist eng mit der Impulsivität verknüpft. Wo andere eine Irritation erst einmal „herunterschlucken“, entlädt sich der Frust bei Betroffenen oft unmittelbar. Der Filter zwischen dem ersten Impuls und der Reaktion ist schlichtweg durchlässiger.

Der „Alltags-Overload“: Was für viele als normales Grundrauschen oder „bisschen Stress“ durchgeht, kann sich für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung oder ADHS anfühlen wie eine permanente Reiz-Überflutung auf allen Kanälen. Gerade bei Autist:innen können sensorische Reize zunächst zur Überforderung und dann zur emotionalen Dysregulation in Form eines Meltdowns oder Shutdowns führen. Durch die Reizüberflutung sind autistische Menschen und solche mit ADHS normalerweise viel schneller am Limit als neurotypische Menschen.

Quellen:

Barkley, R. A. (2015). Emotional dysregulation is a core component of ADHD. In R. A. Barkley (Ed.), Attention-deficit hyperactivity disorder: A handbook for diagnosis and treatment (4th ed., pp. 81–115). The Guilford Press.

Beheshti A, Chavanon ML, Christiansen H. Emotion dysregulation in adults with attention deficit hyperactivity disorder: a meta-analysis. BMC Psychiatry. 2020 Mar 12;20(1):120. doi: 10.1186/s12888-020-2442-7. PMID: 32164655; PMCID: PMC7069054.

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